Annabel siegt in Freiburg

Viel los am Freiburger Pokalturnier.

 

Mit 200 Teilnehmern war das Pokalturnier der U12 und U15 am Sonntag, 14. Mai, in Freiburg stark besetzt. Umso höher ist die Leistung einzuschätzen, die unsere Judoka in dem Klassefeld zeigten.

In der U12 war Amelie Schmidt (bis 36) erneut Einzelkämpferin. Sie gehört dem jüngeren Jahrgang an und besitzt erst den Weißgelbgurt; dennoch ging sie beherzt und mutig zur Sache. Ihre Gegnerinnen im Pool, Mareike Munkelt aus Ettlingen und Maja Näckel von PS Karlsruhe, waren deutlich höher graduiert und hatten mehr Wettkampferfahrung. Letzteres gab dann auch den Ausschlag dafür, dass Amelie beide Kämpfe knapp verlor. Sie konnte aber dennoch stolz von der Matte gehen, denn im Stand konnten ihre Gegnerinnen keine Wertung erzielen. Eine Unachtsamkeit im Boden nutzte Mareike Munkelt, um Amelie umzudrehen und in den Haltegriff zu nehmen, den Amelie trotz engagierter Befreiungsversuche nicht mehr lösen konnte. Gegen Maja Näckel verlor Amelie nur, weil sie wegen Ziehens in die Bodenlage sowie wegen Heraustretens aus der Wettkampffläche zwei Shidos kassiert hatte.  Noch, das wurde deutlich, ist sie zu fixiert auf ihren Hauptwurf Seoi-otoshi, der an diesem Turnier nicht so richtig funktionierte. An der Variabilität  muss also noch gearbeitet werden, dann  wird Amelie automatisch gefährliche und weniger gut ausrechenbar. Einstellung, Biss, Trainingseifer und Lernbereitschaft sind vorhanden – somit besitzt Amelie, die keinem Wettkampf aus dem Weg geht, glänzende Perspektiven.

In der U15 hatten wir gleich vier heiße Eisen im Feuer. Mit Isabella Frank und Annabel Sigmund traten zwei in derselben Gesichtsklasse (bis 48 Kilo) an und trafen auch gleich zu Beginn aufeinander. Hier hatte Annabel, die einen „Wackler“ von Isabella ausnutzte, um sie in die Bodenlage zu zwingen, das bessere Ende für sich. Sie beendete den Kampf mit Ippon, indem sie Isabelle 20 Sekunden lang festhielt. Keine Blöße gab sich Annabel auch im Kampf gegen Alina Thoma aus Neustadt. Klasse war dabei ihr Stand-Boden-Übergang, den sie mit Juji-gatame abschloss. Im Donnerstagstraining hatte man genau diese Technik trainiert. Die letzte Gegnerin, Anastasia Kakunin aus Haltingen, bezwang Annabel ebenfalls mit Ippon. Nachdem ihre Gegnerin gegen die erste Eindrehtechnik noch ausweichen konnte, ließ Annabel einen Tani-otoshi folgen, mit dem sie die Haltingerin wegkonterte. Dafür gab es eigentlich nur eine Wertung: Ippon. Die Kampfrichter sahen es aber anders und gaben einen Waza-ari, was aber keine Rolle spielte, da Annabel im Anschluss an den Konter ein Haltegriff gelang, den sie souverän hielt. Damit stand sie nach drei souveränen Siegen mit Ippon als Pokalgewinnerin fest und bewies eindrucksvoll, dass sie völlig zu Recht dem Badischen Kader angehört. Isabella kämpfte zur Freude von Trainerin Tina Fredrich sehr offensiv, hatte dabei aber nicht immer einen sicheren Stand. So kam es, dass sie trotz optischer Dominanz gekontert wurde. Im letzten Kampf gegen die Neustädterin Alina Thoma machte Isabella dann ihre Sache wesentlich besser. Energisch griff sie mit starken Fußfegern an, wobei sie vor allem mit dem Ko-soto-gake Erfolg hatte Gleich vier Waza-ari gelangen ihr mit dieser Technik, so dass sie einen ungefährdeten Sieg und damit Rang drei im Gesamtklassement einfahren konnte. Mit drei Gegnerinnen hatte es Fabienne Läufer zu tun. Gegen die sehr starke Badische Meisterin Ellie Scott-Stewart vom PS Karlsruhe biss sich Fabienne wie gewohnt in den Kampf hinein. Weil ihr kein Wurf gelang, wurde ihre Gegnerin immer nervöser, was Fabienne allerdings nicht in eine eigene Wertung ummünzen konnte. Auch im Bodenkampf kam die Karlsruherin nicht so recht zur Entfaltung. Schließlich gelang ihr doch ein Haltegrif und damit der Ippon-Sieg gegen Fabienne. Alina Stuckmeier aus Grenzach-Wyhlen war für Fabienne dann kein schwerer Prüfstein: Sie legte sich ihre Gegnerin zurecht und griff dann beherzt mit O-uchi-gari an, als sich die Chance dafür bot. Damit war der Kampf dann auch schon zu Ende, denn Fabienne erhielt für diese starke Innensichel einen Ippon. Als dritte Gegnerin wartete die sehr starke Konstanzerin Luna Abaoud-Herbert, deren ersten Uchi-mata-Ansatz Fabienne super ins Leere laufen ließ. Den Gegendreher konnte sie aber nicht mit einem Haltegriff abschließen, weil ihre Gegnerin es schaffte, sich am Boden im letzten Moment auf den Bauch zu winden. Leider klappte bei einem der folgenden Uchi-mata-Ansätze ihrer Gegnerin die Ausweich- und Gegenbewegung nicht mehr optimal, so dass Fabienne eine Niederlage mit Ippon hinnehmen musste. Den dritten Gesamtrang hatte sie aber sicher.

Enorm stark besetzt war die Klasse bis 43 Kilo, in der Linus Hollnagel antrat, der dem jüngsten der drei Jahrgänge angehört. Die acht Starter waren in zwei Vierergruppen eingeteilt, wobei die Poolsieger das Finale bestritten. Auf ein Halbfinale und eine Trostrunde verzichteten die Ausrichter.  Der Pool, in den Linus gesetzt wurde, war dabei der deutlich stärkere. Einen Klasseauftritt lieferte Linus zu Beginn gegen den physisch starken Blaugurtträger Chris Leibe aus Heitersheim, der zunächst mit einer Eindrehtechnik durchkam, für die es Waza-ari gab, obwohl Linus eigentlich klar auf dem Bauch gelandet war. Aus dem Konzept bringen ließ sich Linus davon aber nicht. Er zeigte im Bodenkampf seine große Klasse, drehte seinen Gegner um und nahm ihn in Kami-shiho gatame. Kurz vor Ende der Haltegriffzeit schaffte sein Gegner die Befreiung, so dass Linus statt des Ippons „nur“ Waza-ari für den Haltegriff erhielt. Damit hatte er ausgeglichen. Seinen Gegner, der deutlich außer Puste war, setzte Linus nun immer stärker unter Druck, indem er permanent attackierte. Einem starken O-goshi-Ansatz war der Heitersheimer schließlich nicht mehr gewachsen. Linus holte ihn spektakulär von den Beinen und erzielte einen Ippon. Danach ging es gegen den Badischen Meister Davyd Mallyy vom BC Karlsruhe. Leider beging Linus gleich zu Beginn den Fehler, etwas zu abgebeugt zu kämpfen, was sein Gegner für einen Uchi-mata nutzte, der ihm einen Waza-ari einbrachte. Linus wollte diesen Rückstand so schnell wie möglich wieder wettmachen und erhöhte das Risiko. Leider wurde er nicht dafür belohnt, sondern lief in einen weiteren Uchi-mata hinein, der seinem Gegner den Sieg einbrachte. Einen Vorwurf, da waren sich Tina, Hebbi und Wolfgang, die als Betreuer mitgekommen waren, einig, konnte man Linus aber nicht machen. Für seinen letzten Poolkampf gegen Vadim Gommel (JC Sinzheim) fokussierte sich Linus dann wieder und schaffte durch einen blitzschnellen, links angesetzten Eindreher auch einen schnellen Ippon. Weil Davyd Mally gegen den Heitersheimer Leibe mit Ippon verlor, kam es zu der Situation, dass Linus, Mally und Leibe jeweils zwei Siege mit Ippon sowie eine Niederlage aufwiesen und somit nochmals gegeneinander antreten mussten, um den Poolsieger zu ermitteln. Diese Kämpfe waren an Spannung kaum zu überbieten. Gegen Davyd Mally suchte Linus offensiv die Entscheidung und ging dabei wie gewohnt auch ein hohes Risiko. Ein ums andere Mal schaffte es Mally aber, den Angriffen auszuweichen oder diese abzublocken. Kurz, bevor er eine Strafe für Passivität erhalten sollte, griff der Karlsruher selbst an und überraschte Linus mit einem O-goshi, für den es Ippon gab. Damit musste Linus erneut hoffen, dass Mallyy gegen Leibe verliert, was aber diesmal nicht geschah. Den letzten Kampf gegen Leibe gewann Linus mit einem Kraftakt: Obwohl der Heitersheimer einen Eindreher von Linus abblocken konnte, stieg Linus nicht nach hinten in O-uchi-gari um (was Tina anschließend kritisierte), sondern zog einfach weiter nach vorne. Sein Gegner knickte ein und ließ sich in Haltegriff zwingen. Dieser war so stark, dass er abschlug, womit Linus den Kampf gewonnen hatte und damit Poolzweiter war. Die beiden Poolzweiten waren im Gesamtklassement automatisch Dritte. Wenn man bedenkt, dass Linus, den das Kadertraining in Basel enorm nach vorne bringt, noch zwei weitere Jahre in der U15 kämpfen kann, dann ahnt man, dass da in Zukunft noch einiges zu erwarten ist. .   

Freiburger Pokalturnier am 14. Mai:

U12:

Amelie Schmidt (-36):     5. Platz

U15:

Annabel Sigmund (-48):  1. Platz

Isabella Frank (-48):        3. Platz

Fabienne Läufer (-52):    3. Platz

Linus Hollnagel (-43):      3. Platz