Langes Warten nicht belohnt

Enttäuschendes Glaspalastturnier für Florian.

 

Hoch motiviert trat Florian Sigmund am Sonntag beim Glaspalastturnier, einem der größten und am stärksten besetzten Wettkämpfe in Deutschland, an. Dies ebenfalls als Einzelkämpfer. Frühmorgens machte man sich auf den Weg, um rechtzeitig zum Wiegebeginn um 9.30 Uhr vor Ort zu sein. Nachdem er das Limit von 66 Kilo in der Altersklasse U18 gebracht hatte, war zunächst einmal warten angesagt, denn zu diesem Zeitpunkt hatten die Kämpfe der U13, die vor der U18-Konkurrenz angesetzt waren, noch nicht einmal begonnen! Trotz sieben Wettkampfmatten, auf denen insgesamt 980 Judoka aus sieben Nationen antraten, zogen sich diese Kämpfe in die Länge. Wie es so ist, ging dann plötzlich alles Schlag auf Schlag: Die Klasse bis 66, mit 36 Judoka besetzt, wurde unvermittelt aufgerufen und Florian war auch gleich der Erste, der auf die Matte musste. Leider verpassten sowohl Herbert Frey (er stand gerade in der langen Schlange, die auf die Ausgabe der Wettkampfliste wartete) als auch Wolfgang Rösch, die als Betreuer mitgekommen waren, diesen Auftritt, was beide sehr ärgerte und wofür sie sich entschuldigten. Florian kämpfte gegen den starken Schwarzgurtträger Nick Henze aus Hemsbach, den er aus vorherigen Wettkämpfen bereits kannte, mutig und sehr selbstbewusst, wie er und sein Vater Harald danach erzählten. Ein erster Ura nage-Konter blieb noch ohne Wertung, dann aber gelang Florian ein Fußfeger, für den es Waza-ari gab und sogar ein anschließender Haltegriff. Festhalten konnte er seinen Gegner aber nur wenige Sekunden, dann schaffte Henze die Befreiung und seinerseits einen Haltgriff, aus dem Florian nicht mehr entrinnen konnte. Danach hieß es wieder: Warten, warten, warten. Zwischendurch schaute Cecile Köstler vorbei, die befreundete Judoka aus England, die eigens zum Glaspalastturnier angereist waren, betreute. Sie lässt den gesamten Verein grüßen. Nachdem zwei weitere Runden gekämpft waren, sprach sich unter den ebenfalls auf die Trostrunde wartenden anderen Kämpfern herum, dass offenbar nach dem brasilianischen System gekämpft wurde, was aber bei der Begrüßung weder mitgeteilt noch auf der Wettkampfliste vermerkt war. Dies bedeutete, dass nur in die Trostrunde kommt, wer gegen einen späteren Halbfinalisten verloren hat. Florians Gegner Henze hatte die Chance, ins Halbfinale zu kommen, zu diesem Zeitpunkt aber nicht mehr, weil er gleich in der zweiten Runde gegen den physisch enorm starken Michael Bantle aus Speyer verloren hatte.  Ein Gang zur Wettkampfleitung bestätigte die Vermutung, so dass Florians  Ausscheiden nach nur einem Kampf besiegelt war. Die Enttäuschung war danach auch deshalb groß,  weil er den Gegner, gegen den er ausgeschieden war, schon aus vorherigen Begegnungen gut kennt und sich der Erkenntnisgewinn somit in Grenzen hielt. So sehr wie diesmal hatte Florian den Hemsbacher allerdings noch nie in Verlegenheit gebracht. Moralisch unterstützt wurde er übrigens auch von Freundin Chiara.

Allgemein war ein bescheidenes judotechnisches Niveau zu konstatieren: Spektakuläre Würfe, die den Zuschauern ein begeistertes „Wow“ entlockten, waren so gut wie keine zu sehen. Kleinigkeiten wie das Weiterziehen nach missglückten Wurfansäzten und das Ausnutzen von  Wacklern gaben meist den Ausschlag. Die athletisch stärksten und aggressivsten Kämpfer setzten sich durch. Und gerade die mit starker Kumi-kata dominierenden athletischen Kämpfer hatten oft gar nicht den unbedingten Willen, Ippon zu werfen, sondern verfolgten die Strategie, ihren Gegner einfach nur passiv aussehen zu lassen. Auch Florians Gegner Nick Hanze verlor seinen zweiten Kampf auf diese Weise mit vier Shidos. Von technisch schönem Ipponjudo war jedenfalls, da waren sich Hebbi und Wolfi einig, nicht viel zu erkennen.

Glaspalastturnier der U18 am 25.6.2017 in Sindelfingen:

Florian Sigmund (-66): Ausgeschieden nach einem Kampf