Tolle Auftritte in Sankt Gallen

Auch international gut aufgestellt

 

Beim internationalen Gallusturnier in Sankt Gallen (Schweiz) zeigten unsere Judoka, dass sie sich vor der internationalen Konkurrenz nicht verstecken müssen. An zwei Tagen kämpften rund 1000 Judoka auf sechs Matten um die Pokale. In der U18 hatte Jana Scharfenstein am 28. April  endlich mal richtig viele Gegnerinnen – nämlich elf in der Kategorie über 63 Kilo. Und doch konnte sie nur einmal kämpfen, weil die Veranstalter selbst bei zwölf Teilnehmern das brasilianische System anwandten: Nur, wer gegen eine der beiden späteren Finalistinnen verlor, kam in die Trostrunde. Damit ist schon gesagt, dass es bei Jana im ersten Kampf gegen die starke Esmeralda Damiano aus Birsfelden nicht optimal lief. Jana konnte ihre Angriffstechniken nicht durchsetzen, gleiches galt aber auch für ihre Gegnerin, denn Jana agierte aus einem sicheren Stand heraus. Einmal jedoch ließ sie sich von einem Fußfeger überraschen, für den es Waza-ari gab. Das reichte der Birsfeldenerin zum Sieg, die dann aber ihr nächstes Gefecht verlor und somit anstelle von Jana in die Trostrunde kam. Bei solch einem großen Turnier, zu dem die Teilnehmer von weit her anreisen, sollte der Veranstalter jedem Kämpfer eigentlich mindestens zwei Begegnungen ermöglichen – zumal, wenn dies bei zwölf Teilnehmerinnen in einer Klasse problemlos möglich wäre. Aber in Sankt Gallen ist man um einen zügigen Fortgang des Turniers sehr bemüht und wechselt  schon mal kurzerhand das System, wenn ein kleiner zeitlicher Verzug im Ablauf droht. Dafür musste Annabel Sigmund, in deren Kategorie bis 52 Kilo es sechs Teilnehmerinnen waren, gleich fünfmal ran. Ihren ersten beiden Gegnerinnen Kirsten de Groot (Hochdorf) und Selina Kaufmann (Solothurn) kam der etwas abgebeugte Kampfstil Annabels entgegen. Annabel ihrerseits  gab ihre Ansätze zu schnell wieder auf. So startete sie mit zwei Niederlagen in das Turnier und änderte dann ihren Kampfstil: Gegen Jana Stähli kämpfte sie deutlich aufrechter, was der Sankt Gallerin das Leben richtig schwer machte. Aber auch sie kam mit einem Uchi-mata durch. Annabel ließ sich aber nicht entmutigen und landete dann im vierten Kampf gegen Linda Briner aus Frauenfeld einen tollen Sieg: Mit einem Tani-otoshi wie aus dem Lehrbuch holte sich Annabel einen Ippon. Ohne große Verschnaufpause musste sie dann gleich in ihren letzten Kampf gegen Yasmin Abbaoui (Dietikon), in dem sie alle Reserven mobilisierte. Mit links angesetzten Eindrehern versuchte Annabel zum Erfolg zu kommen, doch es fehlte die letzte Kraft, so dass ihre Gegnerin einen Gegendreher ansetzen und Annabel in einen Tate-shiho-gatame nehmen konnte. Mit Rang fünf und einer tollen kämpferischen Leistung konnte Annabel aber zufrieden sein. Am Sonntag, 29. April, stellte sich bei den Mädchen Fabienne Läufer der internationalen Konkurrenz. In der Klasse bis 57 Kilo wurden zwei Viererpools gebildet, wobei die beiden Poolsieger ins Finale kamen. Der erste Kampf gegen Valentine Dugartin, eine Kämpferin aus Belgien, ging unglücklich verloren. Fabienne war die Aktivere und setzte O-uchi-gari rechts an, dabei behielt sie aber nicht den Kopf auf der linken Seite, sondern geriet ins Hohlkreuz. Ihre Gegnerin konnte sie so kontern und in einen Haltegriff nehmen. Nur geblockt hat dann ihre zweite Gegnerin Nia Pfanninger aus Sankt Gallen. Dass die technisch unsauberen Koshi-guruma-Ansätze, mit denen die Sankt Gallerin Fabienne, für die der Nackengriff ungewohnt war, einfach nur umdrückte, auch noch zweimal mit Waza-ari belohnt wurden, löste bei den Beobachtern des Kampfes nur Kopfschütteln aus. Damit war aber auch der zweite Kampf verloren. Für das dritte Gefecht gegen Sina Flubacher (Birsfelden) nahm sich Fabienne dann einiges vor und griff beherzt mit O-uchi-gari an, für den des sofort Waza-ari gab. Derart ermutigt, ließ sie einen für sie ungewohnten Uchi-mata folgen, der ihre Gegnerin von den Beinen holte und ebenfalls mit Waza-ari belohnt wurde – ein toller Sieg für Fabienne, aber am Ende dennoch nur Rang drei im Pool. In der Endabrechnung bedeutete dies den fünften Platz. Linus Hollnagel zeigte in der gewohnt stark gebesetzten Klasse bis 45 Kilo einen seiner besten Turnierauftritte. Nicht weniger als fünf Pools mussten gebildet werden. Nur der jeweilige Poolsieger und der Poolzweite zogen in die Finalrunde ein. Das Weiterkommen war denn auch das Ziel von Linus, der gleich zu Beginn mit Perrick Liengme aus Morges einen schweren Brocken aus dem Weg räumen musste. Voll konzentriert ging Linus zu Werke und nutzte jede sich bietende Chance zum Angriff. Aber auch sein Gegner kämpfte offensiv, was ihm schließlich zum Verhängnis wurde. Denn einen Eindreher konterte Linus spektakulär mit Tani-otosih, an den er sofort einen Haltegriff anschloss, den er nur zehn Sekunden halten musste, weil er für den Wurf bereits Waza-ari erhalten hatte. Dann ging es Schlag auf Schlag: Mit Paul Stässle (Yawara Will) wartete bereits der nächste aggressive Gegner auf Linus. Gegen Stässle klappte der Konter nicht optimal, so dass sein Gegner Linus in den Haltegriff nehmen konnte. Linus mobilisierte alle Kräfte und schaffte in letzter Sekunde die Beinklammer. Damit lag er aber Waza-ari in Rückstand, was ihn aber nicht dazu verleitete, hektisch zu werden. Linus erhöhte stetig den Druck und setzte sich schließlich bei einem Übergang vom Stand in den Boden durch. Er nahm seinen Gegner in einen Haltegriff, aus dem es kein Entrinnen mehr gab. Damit hatte Linus die beiden vermeintlich stärksten Gegner in seinem Pool besiegt, was Trainer Herbert Frey befürchten ließ, dass er den letzten Kontrahenten, Dean Nydegger aus Uster, etwas auf die leichte Schulter nehmen könnte. Doch davon war nichts zu sehen: Mit einem fulminanten, links angesetzten Uchi-mata holte Linus seinen Gegner von den Beinen. Da es nur Waza-ari gab musste noch ein Haltegriff her, bis der zweite Waza-ari und damit der Ippon erreicht war. Damit zog Linus als Gruppensieger in die Finalrunde ein, die etwas undurchsichtig war. Hier trat Linus zunächst  Andre Meier aus Brugg entgegen, den  er schnell im Griff hatte. Wieder war ein Tani-otoshi der Siegbringer. Für den Konter gab es Waza-ari, so dass der anschließende Haltegriff eigentlich nur zehn Sekunden hätte gehalten werden müssen.  Dass der Gong aber  erst nach den vollen 20 Sekunden ertönte, nahm Linus gelassen. Dann wartete mit Stefan Samardczic aus Rumänien ein gefährlicher Gegner. Bislang hatte dieser seine Kämpfe fast immer mit einem blitzschnell angesetzten, tiefen Seoi-nage gewonnen, vor dem Trainer Herbert Frey und Mutter Anke Hollnagel dann auch eindringlich warnten. Dennoch lief Linus gleich zum Auftakt prompt in einen solchen Wurfansatz hinein und geriet mit Waza-ari in Rückstand. Beeindruckend war dann, wie ruhig Linus blieb. Ein zweites Mal ließ er sich nicht überraschen, vielmehr lauerte er auf die Möglichkeit, den Rumänen nach einem tiefen Ansatz zum Haltegriff weiterzudrehen. Zwischendurch griff Linus seinerseits mit Uchi.-mata gefährlich an, so dass sein Gegner kurz vor einer zweiten Passivitätsstrafe stand. Schließlich bot sich Linus die Chance, einen schlecht angesetzten Seoi-nage seines Gegners zum Haltegriff weiterzudrehen, den er bis zum Ippon hielt. Nach fünf vorzeitigen Siegen müsste er nun eigentlich im Finale stehen – so dachten die Betreuer. Doch damit war erst das Halbfinale erreicht, wo  mit Gideon Springer ein unangenehmer Tomoe-nage-Spezialist wartete. Spektakulär waren dann nicht nur die Selbstfaller des Kämpfers aus Wetzikon, sondern auch die Reaktionen von Linus, der ein ums andere Mal mit einer Radwende, teilweise nur auf einem Arm ausgeführt, eine Wertung vermied. Im Bodenkampf suchte Linus seine Chance, sah sich aber einer geschickt eingesetzten Beinklammer seines Gegners ausgesetzt, der schließlich kurz vor Kampfende doch noch einen Waza-ari für Tomoe-nage erhielt. Eine andere Technik als diese hatte er nicht gezeigt. Linus freute sich nach der ersten kurzen Enttäuschung über Rang drei und einen Wettkampf, indem er auch große mentale Stärke gezeigt hat.

Internationales Gallusturnier am 28. Und 29. April in Sankt Gallen:

U18

Annabel Sigmund (-52):     5. Platz

Jana Scharfenstein (+63)  7. Platz

U15

Fabienne Läufer (-57):       5. Platz

Linus Hollnagel (-45):         3. Platz