Fabienne holt Gold!

Auch sonst lief es in Baar richtig gut für uns!

 

Toppleistungen zeigten drei unserer Kämpferinnen am Sonntag, 3. Juni, beim internationalen Turnier im schweizerischen Baar (Kanton Zug). Aufgrund der Pfingstferien reisten alle ohne Vorbereitungstraining an. Jana Scharfenstein zeigte in der U18, dass das ihren Angriffsgeist nicht hemmte. Im Gegenteil: In der Kategorie über 63 Kilo trat sie deutlich aktiver und offensiver auf die Matte als noch in Sankt Gallen. So war sie auch gegen die Ungarin Zsanett Tandi (JC Leyonar Budapest) die Aktivere. Sie dominierte mit einem starken Griff, den sie richtig „reinhaute“, konnte aber dennoch keine Wertung erzielen. Umstritten war ein Konter, den Jana gegen einen der wenigen Angriffe der Ungarin landen konnte. Die Gegnerin fiel auf die Seite und konnte sich dann auf den Bauch drehen – eine Wertung durch den Kampfrichter (kam auch aus Budapest!) blieb aber aus. Die Ungarin blieb aber brandgefährlich und deutete an, dass sich Jana keinen Fehler erlauben durfte. Je länger der Kampf dauerte, je klarer wurde: Jana hatte es da mit einer erfahrenen und richtig abgezockten Kämpferin zu tun. Als Jana beim Rückwärtslaufen leicht in Rückenlage geriet, schlug die Gegnerin dann zu, setze O-soto-gari aus der eigenen Vorwärtsbewegung an und nahm Jana sofort in Haltegriff. Nach zwei Mal Waza-ari war der Kampf beendet, Jana zeigte aber eine gute Leistung gegen eine sehr starke Gegnerin. Gegen die zweite Gegnerin  Lea Kammerer vom JJC Brugg ließ Jana dann nichts anbrennen: Von Beginn an dominierte sie mit einem starken Griff, der Basis für starke Ansätze war. Mit einem O-soto-otoshi kam Jana schließlich durch und gewann mit Ippon. Bei drei Starterinnen in dieser Gewichtsklasse bedeutete dies Rang zwei.

Fabienne Läufer hatte es in der Klasse bis 57 Kilo der U15 sogar nur mit einer Gegnerin zu tun. Für den Gewinn der Gewichtsklasse benötigte man allerdings zwei Einzelsiege, so dass sie mehrfach gegen ihre Gegnerin Sina Flubacher (Birsfelden), die dem Basler Kantonalkader angehört, antreten musste. Diese erwies sich als enorm stark und agierte aus einem sicheren Stand heraus. Fabienne spielte ihre technische Variabilität aus und ging mit einem Waza-ari, den sie für einen O-uchi-gari erhalten hatte, in Führung. Danach schaltete sie auf Uchi-mata um, wobei ihr aber beim Nachhüpfen die Dynamik fehlte, so dass ihrer Gegnerin zweimal ein Gegendreher gelang. Beim zweiten Ma befand sich Fabienne allerdings bereits auf beiden Knien, als der Konter kam. Dennoch gab es zweimal Waza-ari, womit der erste Kampf verloren war. In Deutschland wird diese Technik (Uchi-mata Gaeshi) in der U 15 übrigens nicht bewertet. Nachdem sie auch im zweiten Kampf mit Uchi-mata, der in Sankt Gallen noch gut geklappt hatte, nicht durchkam und wieder  einen Waza-ari gegen sich kassierte, schaltete Fabienne endgültig um. Und sie schaltete einen Gang höher. Mit einem kräftigen Eindreher zwang sie ihre Gegnerin auf die Knie und nutzte dann den Übergang in den Boden zu einem starken Umdreher. Den anschließenden Mune-gatame konnte Fabienne dann trotz heftiger Gegenwehr 20 Sekunden lang halten. Mit einer starken Leistung am Boden schaffte sie damit den Ausgleich, so dass es zum Entscheidungskampf kam. In diesem geriet Fabienne erneut mit Waza-ari in Rückstand - diesmal war es kein Konter ihrer Gegnerin, sondern ein aktiver, links eingesetzter Eindreher, mit dem sie Probleme hatte.  Flubacher drehte weiter links ein, kam aber nicht zum Erfolg. Mehrfach setzte Fabienne im Bodenkampf erfolgreich die Beinklammer ein. Auf die Siegerstraße brachte Fabienne dann, dass auch sie auf die Linksauslage umschaltete. Ein fulminanter O-goshi holte die Birsfeldenerin schließlich von den Beinen, für den es eigentlich Ippon hätte geben müssen. Doch der blieb aus, so dass Fabienne noch einen Haltegriff anschließen musste, um schließlich mit Ippon zu gewinnen und nach drei spannenden Gefechten den Sieg in dieser Gewichtsklasse zu holen. Damit begnügte sich Fabienne aber nicht: Im Gegensatz zu Flubacher erklärte sie sich dazu bereit, gegen die einzige Starterin im Schwergewicht, die gut 70 Kilo wiegende Lokalmatadorin Anna Kaiser, anzutreten. Die Marschroute der Trainer Wolfi und Hebbi setzte sie  gegen diese Gegnerin super um: Ständig bewegen und die Gegnerin ins Laufen bringen, lautete die Devise. Aus der vollen Bewegung heraus kam dann Fabiennes  O-uchi-gari mit Nachhüpfen, der ihr einen Waza-ari einvrachte, an den sie einen starken Haltegriff anschloss. Auch den  zweiten Kampf gegen die Schwergewichtlerin gewann Fabienne dann mit Ippon und  derselben Technik. Damit hätte sie eigentlich auch im Schwergewicht Gold verdient gehabt, aber da sie außer Konkurrenz angetreten war, blieb hier die Goldmedaille in Baar. Wieder einmal zeigte sich, dass Fabienne sich von Kampf zu Kampf steigern kann und dass ihr Schwachpunkt der erste Kampf in einem Turnier ist, in den sie meist nur sehr schwer hineinfindet. Deshalb kam man überein, dass sie sich bei den kommenden Turnieren noch intensiver warmmacht und eventuell eine Art „Aufwärmkampf“ absolviert, um bereits im Wettkampfmodus zu sein, wenn es dann richtig losgeht. Auch ermunternde Klapse auf die Wangen als „Wachmacher“ könnten ein Rezept sein.

Einen schweren Stand als noch unerfahrene Kämpferin hatte Emma Gadesmann (bis 48),die sich aber ohne Respekt  den Gegnerinnen in einer starken Kategorie stellte. Für sie war es eine Standortbestimmung. Im  ersten Kampf gegen die ungestüm anstürmende Alexa Forster aus Sankt Gallen ließ sie sich vom Nackengriff, der in der Schweiz auch schon in der U15 erlaubt ist, überraschen und mit Koshi-guruma werfen. Daniela Keller war die zweite, nicht minder starke Gegnerin, der Emma aber gut Paroli bot. Die Gegnerin aus Brugg hatte Uchi-mata als Spezialwurf, mit dem sie schließlich auch einmal durchkam. Noch aggressiver zu Werke zu gehen und im Griffkampf noch stärker dagegenzuhalten waren zwei wichtige Erkenntnisse, die Emma aus diesem Turnier, bei dem sie auf Rang fünf landete, mitnahm.

Internationales Turnier in Baar am 3. Juni 2018:

U15

Fabienne Läufer (-57): 1. Platz

Emma Gadesmann (bis 48): 5. Platz

U18

Jana Scharfenstein (+63): 2. Platz