Der Knoten ist geplatzt

Viele auf dem Treppchen

 

Deutliche Steigerungen gegenüber den Vorgängerturnieren waren bei der Kreismeisterschaft der U10 am 16. Juni in Wutöschingen von unseren Judoka zu sehen. Engagiert wie immer, diesmal aber auch konzentriert bis zum Schluss und technisch noch variabler, präsentierten sich unsere Kämpfer. Bei den Mädchen war Ayleen Beckmann als Einzelkämpferin unterwegs. In ihrer Vierergruppe (bis 28 Kilo) zeigte sie keinerlei Respekt und ging forsch zur Sache. Den Griff konnte sie gut durchsetzen, doch beim Durchziehen des O-goshi fehlte noch die letzte Konsequenz. Sie konnte ihre Gegnerin zwar werfen, blieb aber stehen und ging nicht mit zu Boden, um die Kontrahentin in einen Haltegriff zu nehmen. Die Gegnerin war recht geschickt und landete ein ums andere Mal auf dem Bauch. So kam es folgerichtig nach einem Punktestand von 0:0 zum Unentschieden. Dasselbe Bild im zweiten Kampf: Ayleen war aktiv, arbeitete nun noch mehr und versuchte, ihre Gegnerin ins Laufen zu bringen. Kurz vor Schluss gelang der Kontrahentin allerdings ein Fußfeger, durch den Ayleen den Kampf 0:10 verlor. Diese Niederlage wollte sie keinesfalls auf sich sitzen lassen, so dass sie im letzten Kampf mit enormem Kampfgeist zur Sache ging. Und diesmal klappte es: Zweimal holte sie ihre Gegnerin mit O-goshi von den Beinen. Beim ersten Mal gab es Ippon, für den zweiten erhielt Ayleen einen Waza-ari und schloss gleich einen Haltegriff an, den sie bis zum 2. Ippon hielt. Damit siegte sie mit 20:0 und hatte am Ende gleich viele Siegpunkte wie eine andere Kämpferin in der Gruppe. Diese hatte aber eine bessere Unterbewertung, so dass Ayleen auf dem hervorragenden Rang drei landete. Der Leichteste bei den Jungs, Leandro Caruso, legte in seiner Gruppe (bis 26 Kilo) gleich furios los. Doch ließ ihn sein Gegner ins Leere laufen und griff seinerseits mit einem links angesetzten Seoi-otoshi an, für den es Waza-ari gab. Leider fiel Leonadro auch ein zweites Mal gegen diesen Wurf, so dass er mit 0:15 zurücklag. Danach hatte er sich auf die ungestümen Linksangriffe eingestellt und hielt gut dagegen. Im Boden behielt er die Oberhand, aber ein Umdreher zum Haltegriff blieb ihm versagt, so dass er den ersten Kampf verloren geben musste. Wie Leandro nach diesem nicht optimalen Auftakt dann den zweiten Kampf gestaltete, beeindruckte: Er setzte seinen Griff durch und zog dann die O-goshi-Ansätze konsequent bis in die Bodenlage – zweimal gab es Ippon für die tollen O-goshis, so dass ein Sieg mit 20:0 die Auftaktniederlage wettmachte. Der dritte Kampf von Leandro entwickelte sich zu einer spannenden Auseinandersetzung, in der sich die beiden Kontrahenten neutralisierten. Wenige Sekunden vor Schluss gelang dem Gegner aus Bad Säckingen zwar ein Wurf, doch Leandro schaffte es, sich in der Luft zu drehen und auf dem  Bauch zu landen. Die beiden jungen Kampfrichteranwärter auf der Matte gaben entsprechend keine Wertung, doch der am weitesten entfernt sitzende Kampfrichter, der die Aktion gar nicht genau sehen konnte, stand auf und bestand auf Waza-ari für den Bad Säckinger. Durch diese umstrittene Wertung verlor Leandro nur wenige Sekunden vor Schluss das Gefecht, bei einem Unentschieden hätte auch er die Chance auf Rang zwei gehabt. So bleib der dritte Rang. Die stärkste Leistung unserer Starter brachte Julian Fister, der clever und erstaunlich abgezockt kämpfte. Gleich im ersten Gefecht seiner Grupp (bis 28) hatte er es mit einem enorm starken Gegner zu tun, den er aber nicht zur Entfaltung kommen ließ. Er brachte seinen Kontrahenten mehrfach in den Kniestand, konnte ihn aber nicht zum Haltegriff weiterdrehen. Die O-goshi-Ansätze Julians parierte der Gegner immer wieder, so dass Julian sich etwas einfallen lassen musste. Und das tat er: Aus dem O-goshi-Griff heraus setzte er überraschend O-soto-gari an, für den es Waza-ari gab, den er dann clever über die Zeit brachte. Auch der zweite Gegner, der stark blockte, verlangte Julian alles ab. Durch eine Aktion in Rückenlage, die sein Gegner ausnutzte, brachte sich Julian aber in Rückstand. Da nicht mehr viel Zeit blieb, erhöhte Julian danach das Tempo und versuchte es außerdem auch mal mit links herum angesetzten Würfen. Und tatsächlich gelang ihm mit einem Kraftakt noch der Ausgleich durch einen links angesetzten Eindreher. Damit endete dieser Kampf unentschieden. Den dritten Kampf dominierte Julian klar, er attackierte permanent und ging auch am Boden stets in die Offensive. Ohne eine Wertung zu erzielen, konnte er seinen Gegner zweimal in die Bodenlage zwingen und jeweils in einen Haltegriff nehmen, den er dann bis zum Ippon hielt. Mit 20:0 gewann er diesen Kampf und hatte damit etwas für seine Unterbewertung getan, dank derer er dann am Ende die Gruppe auch gewann und Kreismeister wurde! Energiegeladen wie immer trat Bastian Ernst in seiner Gruppe (bis 31 Kilo) auf die Matte, diesmal aber wurde er nicht hektisch und brachte sich unnötig selbst in Gefahr. Die Vorgabe, beim O-soto-gari stets das Kinn über der Ellenbogenbeuge des Gegners zu halten, setzte er super um. Immer wieder brachte auch er seinen Gegner n den Kniestand, den er dann aber nicht nutzen konnte. Mit einem Eindreher und einer Art geschleudertem Handwurf erzielte Bastian zwei Waza-ari, denen er dann einen tollen, aus der Bewegung angesetzten O-soto-gari folgen ließ, für den es Ippon gab. Damit landete er einen beeindruckenden Auftaktsieg mit 20:0.  Im zweiten Kampf schien Bastian auf der Siegerstraße zu sein, bevor der Kampf richtig begann. Denn sein Gegner lief plötzlich weinend von der Matte. Doch er kam wieder zurück, und das leider mit einem kleinen äußeren Einhängen, das Bastian überraschte und mit Ippon in Rückstand brachte. Danach drehte Bastian so richtig auf, bewegte seinen Gegner von einer Ecke der Matte in die andere und setzte plötzlich einen fulminanten O-soto-gari an, den er voll durchzog und für den es ebenfalls Ippon gab. Damit hatte er den Rückstand aufgeholt und wollte nun natürlich noch mehr. Doch hakte sein Gegner den vorgestellten Fuß von Bastian erneut weg und bekam Ippon. Im dritten Kampf ging es gegen einen sieggewohnten Judoka aus Grenzach-Wyhlen, der bis dahin seine beiden Kämpfe klar gewonnen hatte. Bastian zeigte keinerlei Respekt und nutzte eine Unachtsamkeit seines Gegners, um ihn mit einem Eindreher (eine Art Aschi-guruma) von den Beinen zu holen. Ein Ippon war der Lohn. Durch ständige weitere Angriffe ließe er seinen Gegner danach nicht mehr zur Entfaltung kommen. Sieben Sekunden vor Schluss hätte er nur noch abblocken müssen, doch er setzte noch ein letztes Mal O-soto-gari an – diesmal leider mit etwas Rückenlage, die sein Gegner für einen Gegenwurf nutzte. In allerletzter Sekunde holte der Grenzacher damit das Unentschieden. Bei einem Sieg wäre Bastian mindestens Zweiter gewesen und hätte mit seinen Unterbewertungspunkten sogar Siegchancen gehabt. So sprang am Ende Rang drei heraus. Ein Vorwurf war ihm aber nicht zu machen, denn taktisches Verhalten kann in der U10 noch nicht verlangt werden. Bastian hat sich auf jeden Fall eindrucksvoll Respekt verschafft und auch bei den Betreuern der Gegner Eindruck hinterlassen. Leider hatten die Ausrichter bei den „schweren Jungs“ wieder nur eine Zweiergruppe gebildet, so dass Vincenzo Caruso (bis 46) wieder nur auf seinen Dauerkontrahenten aus Haltingen traf, dem er zwar Paroli bot, der aber letztlich einmal mehr seine größere Kampferfahrung ausspielte und Vincenzo bezwang. Für eine richtige Standortbestimmung wären weitere Kämpfe notwendig gewesen, die ihm leider versagt blieben. Als Zweiter seiner Gruppe hat er sich aber ebenso wie Julian für die Südbadische Einzelmeisterschaft in Tiengen qualifiziert, wo er dann hoffentlich auf weitere Gegner treffen wird und zeigen kann, welches Potenzial in ihm steckt.

Hochrhein-Einzelmeisterschaft am 16. Juni 2018 in Wutöschingen:

  1. Platz:  Julian Fister (-28)
  2. Platz:  Vincenzo Caruso (-46)
  3. Plätze: Ayleen Beckmann (-28), Leandro Caruso (-26), Bastian Ernst (-31)