Schwerer Stand im Glasplast

Keine einfachen Kämpfe für unsere Judoka

 

Bei einem der größten Judoturniere Deutschlands, das am 23. und 24. Juni auf sieben Matten im Glaspalast in Sindelfingen ausgetragen wurde, gingen fünf unserer  ambitionierten Judoka an den Star mit dem Ziel, auch gegen internationale Konkurrenz mitzumischen. Das gelang ihnen auch durch starke Leistungen, wenngleich in den extrem stark besetzten Feldern ein Platz im Vorderfeld oder gar auf dem Podest nicht heraussprang. Nach starken Leistungen in Sankt Gallen, wo er Rang drei belegte, ging in der U15 Linus Hollnagel selbstbewusst auf die Matte. Erstmals trat er dabei in der Gewichtsklasse bis 50 Kilo an, in der 37 Teilnehmer auf der Liste standen. Linus hatte gleich den allerersten Kampf gegen Sergej Savka aus Berlin, der einen körperlich starken Eindruck machte. Linus misslang der erste Ansatz zwar, im Übergang vom Stand in den Boden reagierte er aber blitzschnell, drückte seinen verdutzten Gegner um in Mune-gatame und hielt diesen Haltegriff dann trotzt heftiger Gegenwehr bis zum Ippon. Ein bärenstarker Auftakt für Linus, dem er ein ebenso dominantes Auftreten im zweiten Kampf gegen Armen Arakelov aus Collombey-Muraz in der Schweiz folgen ließ. Die ständigen Rechtseindreher seines Gegners parierte Linus stark, indem er links dagegenhielt. Doch kam er mit seinen links angesetzten O-goshis und Harai-goshis nicht richtig durch. Sein Gegner schaffte es dagegen zweimal, Linus mit seinen Ansätzen zu Boden zu bringen. Linus fiel zwar auf die Seite und das ganze sah ziemlich harmlos aus, weil auch der Schwung etwas fehlte. Dennoch gab es für diese halb misslungenen Ansätze seines Gegners zweimal Waza.-ari, so dass Linus den Kampf verlor. Nun galt es abzuwarten, ob Arakelov es bis ins Halbfinale schaffen würde, denn nur dann hatte Linus eine Chance auf die Trostrunde. Der Schweizer kam auch noch eine Runde weiter, scheiterte dann aber im Kampf um den Einzug ins Halbfinale, so dass für Linus das Turnier beendet war. Da nur die Platzierungen bis Rang fünf ausgekämpft wurden, blieb ihm der siebte Rang. Eine starke Gegnerin wartete in der Klasse bis 57 Kilo, in der es zwölf Teilnehmerinnen waren, auf Fabienne Läufer, die nach ihrem Sieg in Baar ebenfalls selbstbewusst auftrat. Doch Cheyenne Pischk (JC Berlin) sorgte dafür, dass Fabienne von Beginn an stark beschäftigt war und mehr reagieren musste, als dass sie selbst agieren konnte. Doch Fabienne hielt dem Druck stand und wich ein ums andere Mal den Eindrehern der Berlinerin geschickt aus. Langsam wurde Fabienne mutiger und griff ihrerseits beherzt an, was ihre Gegnerin kurzzeitig aus dem Konzept brachte. Dann aber fing sich die Berlinerin wieder und stellte auf Fußfeger um. Zweimal ließ sich Fabienne von den „Störmanövern“ überraschen und fiel mit Waza-ari, was den Sieg für ihre Gegnerin bedeutete. Am Boden hatte Fabienne, wie stets, super ihre Beinklammer eingesetzt, so dass sie nie Gefahr lief, in einen Haltegriff zu geraten. In der Trostrunde wartete dann mit Alexandra Papagiannakis aus Athen (Griechenland) eine enorm starke Gegnerin, die überraschenderweise ihre erste Begegnung verloren hatte. Gegen sie wollte Fabienne auf den O-uchi-gari setzen, der ihr in Baar den Erfolg gebracht hatte. Doch die Griechin hatte einen sehr guten Stand und konnte den O-uchi-gari-Ansatz von Fabienne mit De-ahsi-barai kontern, für den es Ippon gab. Einen Vorwurf aber konnte man Fabienne, die alles versucht hatte, nicht machen.

Am Sonntag zeigte sich in der U18 Jana Scharfenstein dann gegenüber ihrem Auftritt in Sankt Gallen stark verbessert. Sie traf auf dieselbe Auftaktgegnerin wie in Sankt Gallen, nämlich auf Esmeralda Damiano vom Basler Kantonalkader, die bissig und aggressiv zu Werke ging. Jana geriet durch eine Fußtechnik ihrer Gegnerin mit Waza-ari in Rückstand,  hielt dann aber voll dagegen und brachte ihre Gegnerin wiederholt in Bedrängnis. Bei einem Soto-maki-komi fiel  Jana auf den Bauch, ihre Gegnerin landete auf ihr und drehte sie erst am Boden etwas auf den Rücken. Die Kampfrichter interpretierten diese völlig harmlose Aktion als Wurfübernahme und gaben erneut Waza-ari, was für Jana eine mehr als unglückliche Niederlage bedeutete. Im Schwergewicht waren es sechs Starterinnen, die auf zwei Dreierpools aufgeteilt waren. Neben der Baslerin war noch die Griechin Nicoleta Vulpasin in Janas Pool, die mit Blau-Braun wohl die kurioseste Gürtelfarbe des Turniers trug.  Die Griechin hatte eine enorm kräftige Statur und setzte nach intensiver Kumikata auch ihren Griff durch und warf Jana mit Harai-goshi. Jana wurde für ihren Kampfgeist leider nicht belohnt. Dennoch war sie nicht enttäuscht, denn sie zeigte starke Ansätze und suchte, vor allem im ersten Kampf, auch selbst die Entscheidung. Dass sie mit ihrem neuen Spezialwurf Tsuri komi goshi, den sie donnerstags eifrig übt, noch nicht durchkam, war zu erwarten. Das wird sich aber bei den nächsten Turnieren bestimmt ändern. Jana blieb am Ende der fünfte Rang. In der Gewichtsklasse bis 52 hatten wir mit Jennifer Piper, die dieses Limit erneut brachte und Annabel Sigmund zwei Starterinnen. Leider fehlte Jennifer im ersten Kampf gegen Jessika Freytag (JT Ansbach) etwas das Wettkampfglück, denn es gelang ihr gleich zu Beginn ein spektakulärer Tani-otoshi, für den es aber keine Wertung gab, weil sich die Gegnerin angeblich noch auf den Bau drehen konnte. Im Bodenkampf gelang es Jennifer anschließend nicht, ihre Gegnerin in einen Haltegriff oder Hebel zu zwingen. Im Stand hatte die Ansbacherin einen enorm starken Zug, so dass es Jennifer nicht immer schaffte, sie auf Distanz zu halten. Auch bei der entscheidenden Aktion, einem O-uchi-gari, ließ Jennifer ihre Gegnerin zu nah an sich heran und konnte den Wurf, für den es Ippon gab, dann nicht mehr vermeiden. Leider verlor Freytag gleich in der nächsten Runde, so dass Jennifer ausgeschieden war, denn auch in der Klasse bis 52 Kilo wurde nach dem brasilianischen System gekämpft. Mit Sina Kirchmeier aus Nürtingen erwischte auch Annabel eine starke Gegnerin, gegen die sie offensiv kämpfte. Links angesetzte Eindreher waren das Mittel der Wahl für Annabel, deren Ansätze aber pariert wurden. Es entwickelte sich ein spannendes Gefecht, denn während Annabel ganz auf Eindreher setzte, vertraute die Nürtingerin  auf Fußfeger, mit denen sie schließlich auch zweimal Erfolg hatte. Für zwei starke O-uchi-garis erhielt sie zweimal einen Waza.-ari und verwies Annabel damit auf die Warteposition. Weil Kirchmeier bis ins Halbfinale kam, durfte Annabel nochmals kämpfen, wobei sie sie in der Trostrunde auf Noemi Bernasconi vom Basler Kantonalkader traf. Im Bodenkampf reagierte die Baslerin dabei etwas gedankenschneller und nahm Annabel in einen Haltegriff, aus dem es leider kein Entrinnen mehr gab. Gemeinsam landeten Jennifer und Annabel auf Rang sieben.

Glaspalastturnier am 23. Und 24. Juni 2018 in Sindelfingen:

U15:

Fabienne Läufer (-57): 7. Platz

Linus Hollnagel (-50): 7. Platz

U18:

Jana Scharfenstein (+70): 5. Platz

Jennifer Piper (-52): 7. Platz

Annabel Sigmund (-52): 7. Platz