Fabienne und Linus holen Meistertitel!

Mit nur vier Judokas nahmen wir an der Meisterschaftssaison der U15 teil, dieses Quartett vertrat den JC Efringen-Kirchen aber ausgezeichnet und kämpfte sich in die südbadische sowie in die badische Spitze.

 

Südbadische Einzelmeistershaft am 22. September in Lörrach:

Hier hatten Linus Hollnagel (bis 50) und Fabienne Läufer (bis 57 Kilo) keine Probleme und holten sich souverän die Titel. Linus kam gegen Fabian Hubach (Freiburger Turnerschaft), Paul Eichholtz (JS Stegen) und Clemens Schulmeister (JZ Wutöschingen) zu drei vorzeitigen Siegen mit Ippon. Vor allem der O-uchi-gari brachte ihm reihenweise Wurferfolge. Die beiden ersten Gegner holte er jeweils zweimal mit Waza-ari von den Beinen, die sich zu Ippon aufaddierten. Den dritten Gegner aus Wutöschingen nahm er nach dem O-uchi-gari in einen Haltegriff, aus dem sich dieser aber wieder befreien konnte. Der Wutöschinger verteidigte in der Bank, Linus drehte ihn aber zu Juji-gatame um und hebelte ihn ab. Einziges Manko: Linus schaffte im Stand keinen Ippon-Wurf, wie er selbst kritisch feststellte. Doch wenn man so souverän auftritt wie er bei diesem Turnier und reihenweise mit Waza-ari punkten kann, dann ist das wirklich zu verschmerzen! Fabienne hatte nur eine Gegnerin, Eileen Ebi aus Wutöschingen, die sie komplett im Griff hatte. Die Entscheidung brachte ein links angesetzter Eindreher von Fabienne, für den sie Waza-ari erhielt. Ihre Gegnerin drehte sich in die Bauchlage und wollte dann aufstehen. Fabienne ließ dies aber nicht zu, zwang sie erneut in die Bodenlage, drehte sie um und beendete den Kampf schließlich vorzeitig mit Haltegriff. Eine tolle Moral zeigte Lukas Weiß, der dem jüngsten der drei U15-Jahrgänge angehört, in der Klasse bis 55. Hier war er zudem der Rangniedrigste und dürfte auch einer der Leichtesten gewesen sein, denn er hatte das Limit bis 50 Kilo knapp verfehlt. Dies hinderte ihn nicht daran, sich in seinen vier Kämpfen von Runde zu Runde zu steigern. Das anfängliche nervöse Hüpfen stellte Lukas schnell ab und auch das abwartende Kämpfen wich einem immer mutigeren, offensiveren Auftreten, so dass er seinen vierten Gegner Nils Schall aus Wutöschingen mit einem starken Griff dominierte.  Wiederholt konnte der Wutöschinger nur mit Mühe einen O-soto-gari von Lukas verhindern und sich in den Golden Score retten. Diesen entschied Lukas, der eine gute Kondition bewies,  schließlich für sich, indem er eine Rückenlage seines Gegners ausnützte und ihn einfach umdrückte. Dafür gab es Waza-ari und der Kampf war entschieden. Die Entscheidung in dieser Gewichtsklasse war damit aber noch nicht gefallen. Denn drei Kämpfer, darunter Lukas, wiesen dieselben Sieg- und Wertungspunkte auf und mussten deshalb noch einmal ran und gegeneinander antreten. Auch in diesen Wiederholungskämpfen schaffte Lukas mit unbändigem Kampfgeist einen Sieg über Nils Schall und sicherte sich damit nach sieben Kämpfen den dritten Rang. Pech hatte Emma Gadesmann (-48), dass sie mit Celine Tannenberger (Grenzach-Wyhlen) nur eine Gegnerin hatte, die sich als Badische Meisterin und Kaderathletin als zu stark für sie erwies. Emma trat aber mutig und respektlos auf die Matte und suchte ihre Chance. Am Ende setzten sich aber die größere Erfahrung und Explosivität der Grenzacherin durch.

Badische Einzelmeisterschaft U15 am 6. Oktober in Hockenheim:

Bei der Badischen EM erwischte Linus Hollnagel (bis 50) eine brutal schwere Auslosung und hatte es nach einem Freilos in Runde eins gleich mit Semion Malsch (BC Karlsruhe) zu tun, gegen den er beim Freiburger Pokalturnier knapp verloren hatte. Es entwickelte sich der erwartete harte Fight, in dem Linus schließlich die Oberhand behielt. Als er es einmal schaffte, in den linken Untergriff zu kommen, drehte er ein und rollte mit seinem Gegner zum Haltegriff weiter. Der Wurf war nicht mit Schwung ausgeführt, weil Linus alle Kraft benötigte, um seinen Gegner überhaupt über sich drüberzuziehen. Dementsprechend gab es auch keine Wertung. Der anschließende Haltegriff war dann aber so satt, dass der Karlsruher nach nur wenigen Sekunden aufgab und abschlug. Damit war Linus im Halbfinale, in dem der körperlich starke Diego Beeh aus Ettlingen wartete. Hier hatte Linus seinen Gegner kurz vor einem Haltegriff. Als sein Gegner aus der Banklage gerade langsam kippte, kam aber das Trennkommando „Mate“. Zwei Sekunden länger – und Linus hätte seinen Gegner im Haltegriff fixiert gehabt! Leider ließ sich Linus deutlich anmerken, wie sehr er mit dieser Entscheidung haderte, denn damit musste er in den Golden Score. Und dieser wurde ein Kampf auf Biegen und Brechen, wobei Linus wiederum die etwas schlechtere Körpersprache hatte. Sein Gegner war zwar ebenso kaputt wie er, doch ließ er sich dies nicht anmerken. Linus war deutlich aktiver und griff häufiger an – was ihm schließlich zum Verhängnis wurde, denn einen Ansatz von ihm konnte Beeh mit Tani-otoshi kontern, wofür es kurz vor Ablauf der Verlängerung Waza-ari gab. Eine sehr unglückliche Niederlage für Linus, der sich nun auf das kleine Finale um Rang drei konzentrierte, denn mit Lucas Mayr vom BC Karlsruhe wartete dort gleich der nächste schwere Brocken. Typisch für die Karlsruher: Gleich mit dem ersten Fassen landete Mayr einen kräftigen Fußfeger, der Linus von den Beinen holte und mit Waza-ari in Rückstand brachte. Diesmal bleib Linus ruhig und drehte immer stärker auf. Einfach klasse war dann die Aktion, die ihm den Sieg brachte: Aus der eigenen Banklage arbeitete er sich nahezu lehrbuchmäßig in einen Waki-gatame, mit dem er seinen Gegner schließlich zum Abschlagen zwang. Rang drei war der vierdiente Lohn eines starken Auftritts! BeiFabienne Läufer (-57) war die große Frage: Würde sie es schaffen, ihre große Schwäche, dass sie bei Turnieren meist erst nach dem ersten Kampf so richtig in Fahrt kommt, abzulegen? Sie schaffte es! Und wie: Gegen Kira Kremer aus Tauberbischofsheim landete Fabienne nach etwa 20 Sekunden einen fulminanten Tani-otoshi, für den es Ippon gab. Damit war der Bann gebrochen. Mit Biss ging Fabienne gegen ihre zweite und zugleich letzte Gegnerin Anna Strohbach (BC Hemsbach) auf die Matte, die körperlich stark war und immer wieder mit stürmischen O-goshi-Ansätzen versuchte, zum Erfolg zu kommen. Fabienne blockte aber entweder ab, oder sie stieg über und setzte dann selbst links herum an. Einer dieser links angesetzten Eindreher brachte ihr schließlich einen Waza-ari ein, den sie dann clever über die Zeit brachte. Damit war sie Badische Meisterin! Emma Gadesmann (-48) hatte neben Celine Tannenberger diesmal noch drei weitere sehr starke Gegnerinnen aus Karlsruhe, Sinzheim und Viernheim. Sie versteckte sich nicht und glänzte mit starken Einhängern. Sie hätte aber noch „brutaler“ in die Gegnerinnen hineingehen und dann kurz vorwärts hüpfen müssen – dann wäre ein Überraschungserfolg möglich gewesen. So belohnte sich Emma nicht für ihr beherztes Auftreten. Klasse war auch, wie sie versuchte, variabler zu werden, denn auf ihren starken Ko-soto-gake allein, das erkannte sie selbst, wollte sie sich nicht verlassen. Die Kombinationen kamen aber noch nicht so dynamisch, wie dies erforderlich gewesen wäre. Doch gegen die deutlich erfahreneren Kontrahentinnen machte Emma eine gute Figur. Als Fünfte qualifizierte sie sich dennoch für die Süddeutsche, für die sie aber urlaubsbedingt absagen musste.

Gleiches galt für Lukas Weiß (-55), der es mit drei Gegnern von BC Karlsruhe, BC Hemsbach und TG Ötigheim zu tun hatte. Der Instinkt, im richtigen Moment automatisch die richtige Bewegung zu machen, fehlte Lukas als Wettkampfneuling. Das versuchte er aber, mit Kampfgeist wettzumachen, was gegen die ersten beiden Gegner nicht ganz gelang. Gegen Stoyan Yordanov von der TG Ötigheim schien die Rechnung dann aber aufzugehen. Lukas nahm das Heft des Handelns in die Hand und bewegte seinen Gegner gut über die Matte. Als dann die Kräfte etwas nachließen, geriet Lukas aber beim Ziehen etwas in Rückenlage, was sein Gegner gnadenlos ausnutzte. Mit O-soto-gari   holt er Lukas von den Beinen, für den der Auftritt bei der Badischen aber dennoch ein Erfahrungsgewinn, weil sehr lehrreich, war. Am Ende wurde Lukas in seinem Pool Vierter und kam damit nicht ins Halbfinale. Rang sieben blieb für ihn am Ende.

Süddeutsche Meisterschaft U15 am 3. und 4. November in Pforzheim:

Auf den Saisonhöhepunkt bereiteten sich Linus Hollnagel (-50) und Fabienne Läufer (-57) vor, indem sie am 21. Oktober mit Hebbi zu einem Lehrgang von Landestrainer Rok Kosir an den Olympiastützpunkt nach Heidelberg fuhren, zu dem sie eingeladen worden waren. Beide gehören nach den Badischen nun dem Landeskader an. Linus nutzte in der Woche vor der Süddeutschen, die leider ans Ende der Herbstferien gelegt worden waren, auch noch zusätzliche Trainingsmöglichkeiten in Basel. So gingen beide bestens präpariert an den Start – einmal abgesehen von einer leichten Verstauchung im Handgelenk, die sich Linus in Heidelberg zugezogen hatte, die ihn dank eines Tapeverbandes aber nicht groß behinderte. Die Setzliste bescherte Linus Hollnagel in der mit 16 Athleten vollbesetzten Klasse bis 50 Kilo gleich im ersten Kampf den bayrischen Meister Daniel Paulsin vom TSV Erbach, gegen den er zunächst stark dagegenhielt. Paulsin konnte seinen Rechtsgriff jedoch immer besser durchsetzen und setzte auch starke Eindreher an, die Linus aber parieren konnte. Als der Bayer dann aus dem Rechtsgriff unvermittelt links herum Seoi-nage ansetzte, war es für ein Ausweichen zu spät, aber immerhin konnte Linus den Ippon durch eine geschickte Landung gerade noch vermeiden. Danach war er aber mit Waza-ari im Rockstand und musste das Tempo erhöhen. Das eröffnete Paulsin erneut die Chance zu einem links angesetzten Seoi-nage, für den es den zweiten Waza-ari gab. Paulsin wurde später übrigens souverän Süddeutscher Meister. In der Trostrunde hatte Linus zunächst Probleme mit Luca Stadlmeier (TB Steinheim), der ihn mit Waza-ari werfen konnte. Als es Linus immer besser schaffte, sich nicht mehr so stark abbeugen zu lassen und als er seinerseits seinen starken Linksgriff immer öfter auf dem Schulterblatt seines Gegners  platzieren konnte, kam er aber auf die Siegesstraße. Linus griff mit Uchi-mata an und schaffte zweimal hintereinander einen Waza-ari, so dass er vorzeitig gewann.  Im folgenden Kampf profitierte dann sein körperlich starker Gegner Florian Exner (TSV Unterhaching) von der aktuellen Wertungsphilosophie, dass es auch für misslungene Würfe Waza-ari geben kann. Denn Exner setzte zweimal Morote-seoinage an, wobei er gemeinsam mit Linus auf dem Bauch landete. Die Körperdrehung fehlte völlig, auch das Weiterdrehen zu einem Haltegriff konnte Linus ohne größere Probleme verhindern. Dennoch gaben die Kampfrichter für diese beiden fragwürdigen und fast harmlos aussehenden Aktionen jeweils Waza-ari, so dass Linus ausgeschieden und am Ende Siebter war. Einmal mehr zeigte sich, dass in dieser überaus starken  Klasse Kleinigkeiten den Ausschlag geben.

Fabienne Läufer hatte es in ihrem ersten Kampf mit Cara Krautmacher vom FC Hohenthann (Bayern) zu tun, gegen die sie aggressiv und offensiv zu Werke ging. Deshalb war ihr kein Vorwurf zu machen, als sie es mit einem Ko-soto-gake versuchte, den aber ihre Gegnerin ganz klassisch mit O-uchi-gari kontern konnte. Leider war Fabienne etwas in Rückenlage geraten, so dass der Ippon gegen sie nicht mehr zu vermeiden war. In der Trostrunde sah es zunächst gut aus. Ihre Gegnerin Sonja Berr vom TSV Grafing, einen Kopf größer als Fabienne, beherrschte sie im Stand – allerdings ohne eine Wertung erzielen zu können. Am Boden musste Fabienne aber auf die Hebelansätze und  die Sankaku-Umdreher ihrer langbeinigen Gegnerin aufpassen. Mit ihrer bewährten Beinklammer verhinderte Fabienne aber immer wieder einen Haltegriff. Als sie ihre Gegnerin mit dem Rücken zum Mattenrand stehen hatte, drückte Fabienne nach vorne, um sie aus der Kampffläche hinaus zu stellen und einen Shido zu provozieren. Da zeigte sich dann aber die offenbar große Wettkampferfahrung der Kämpferin aus Grafing, die einen Selbstfaller (eine Art Yoko-otoshi) ansetzte, der Fabienne völlig überraschte. Nach einem Ippon war sie leider ausgeschieden (9. Platz). Ihre Gegnerin, mit der sie lange stark mitgehalten hatte, kam am Ende auf Rang drei.

Südbadische EM U15 am 22. September in Lörrach:

Fabienne Läufer (-57): 1. Platz

Linus Hollnagel (-50): 1. Platz

Emma Gadesmann (-48): 2. Platz

Lukas Weiß (-55): 3. Platz

Badische EM U15 am 6. Oktober in Hockenheim:

Fabienne Läufer (-57): 1. Platz

Linus Hollnagel (-50): 3. Platz

Emma Gadesmann (-48): 5. Platz

Lukas Weiß (-55): 7. Platz

Süddeutsche EM U15 am 3. und 4. November in Pforzheim:

Linus Hollnagel (-50): 7. Platz

Fabienne Läufer (-57): 9. Platz