Mit Biss aufs Treppchen

 

Nach der für uns sehr erfolgreichen Kreis EM am 8. Februar in Wutöschingen, der erstmals ein gemeinsames Training vorausgegangen war, traten unsere vier qualifizierten Judoka der U12 auch bei den südbadischen Meisterschaften am 15. Februar in Freiburg sehr engagiert auf die Matte. Leider konnte der fünfte Qualifizierte, Janne Korneli, wegen Erkrankung nicht antreten. Aufgrund der nur zwei Matten (es fehlte wegen paralleler anderer Turniere an Kampfrichtern und  an Helfern) mussten die Wettkämpfer doch Einiges an Geduld aufbringen, um die Spannung bis zum Auftritt auf der Matte nicht zu verlieren. Als Erste musste diesmal Ayleen Beckmann (bis 36) ran, die es leider nicht ganz schaffte, ihre guten Trainingsleistungen, die sie vor allem bei den Randoris am Donnerstag zeigt, auch im Wettkampf abzurufen. Im ersten Kampf gegen Hanna Fischer aus Wutöschingen machte sie eigentlich alles richtig: Sie zeigte eine starke Kumi-kata, hielt die rechte Hand der Gegnerin vom eigenen Revers fern und brachte gleichzeitig ihre eigene rechte Hand an den Judogi der Gegnerin. Dann aber zögerte sie zu lange mit dem eigenen Wurfansatz und ließ so ihre Gegnerin in den Kampf zurückfinden. Der Wutöschingerin genügte ein überraschend links angesetzter O-goshi, um Ayleen mit Ippon zu werfen und zu gewinnen. Rechtzeitiges, schnelles Ausweichen gegen Wurfansätze – das fehlte auch im Kampf gegen Sina Heitzler aus Umkirch, die Ayleen nach einem eigentlich misslungenen Wurf am Boden in einen Haltegriff nehmen konnte. Aus diesem schaffte Ayleen zwar die Befreiung. Das kostete aber viel Kraft und sie geriet erneut in einen Haltegriff, als es kurz darauf wieder zum Bodenkampf kam. Diesmal gab es leider kein Entrinnen mehr. Als Fünfte qualifizierte sich Ayleen dennoch für die Badische Meisterschaft am 21. März in Karlsruhe. Kampfgeist und ein starker Griff sind bei ihr auf jeden Fall vorhanden – jetzt gilt es, auch einen gewissen „Killerinstinkt“  zu entwickeln.

Bei den Jungs war der Leichteste, Julian Fister, in der Klasse bis 31 Kilo am Start, die mit 12 Teilnehmern stark besetzt war. Auf Kreisebene hatte Julian mit cleverem, technisch starkem Judo brilliert und den Titel geholt. Und genau so startete er nach einem Freilos auch in das Freiburger Turnier: Gegen Jakob Franz (SV Titisee), den er zuvor beobachtet hatte, wartete Julian auf seine Chance und stieg dann konsequent mit O-soto-gari links ein, um den Gegner von den Beinen zu holen. Der Lohn war ein glasklarer Ippon und der Einzug ins Halbfinale. Hier wartete mit Laszlo Steinmann (JSV Villingen) ein starker Gegner, den Julian aber klar dominierte. Immer wieder konnte er ihn „anwackeln“ und mit starkem Griff und kleinen Fußtechniken aus dem Gleichgewicht bringen. Die Anschlusstechnik konnte der Gegner aber meist gerade noch parieren. Eine der ersten gelungenen Aktionen des Gegners wurde gleich mit Waza-ari belohnt, obwohl Julian nach dem Hüftwurfansatz eigentlich auf dem Bauch landete. Danach machte sein Gegner nicht mehr viel, Julian drehte aber noch mehr auf und versuchte es gegen Kampfende mit Linkstechniken. Einmal kam er auch durch und fiel mit seinem Partner auf die Seite – doch der fällige Waza-ari blieb aus, so dass Julian diesen Kampf überaus unglücklich verlor. Zu Recht ärgerte er sich über die Wertungen, was zeigte, wie ernst er den Judosport nimmt. Doch gelang es ihm leider nicht, sich rechtzeitig zum kleinen Finale gegen den starken Moritz Morath aus Wutöschingen wieder zu beruhigen. So fehlte die 100-prozentige Fokussierung auf den Kampf, der dann auch verloren ging. Rang fünf bedeutete aber auch für Julian die Qualifikation für die Badischen Titelkämpfe – und dort werden die Karten neu gemischt. Es zeigte sich, dass in dieser Klasse fast jeder jeden schlagen kann und dass oft vermeintliche Kleinigkeiten über Sieg und Niederlage entscheiden. Seinem Stil treu blieb Bastian Ernst in der Klasse bis 37 Kilo, die mit zehn Startern ebenfalls gut besetzt war. Er ist ein „Arbeiter“, der von seiner Energie und seiner Dynamik lebt. Dass er mit dem gelben Gurt die niedrigste Graduierung in seiner Klasse hatte, spielte dabei keine Rolle. Nach einem Freilos verschaffte sich Bastian in Runde zwei gegen Lokalmatador Jasper Meister vom Freiburger JC von Beginn an Respekt. Der stark angefeuerte Gegner musste gleich mal einen Waza-ari gegen sich hinnehmen, den Bastian mit einem Tai-otoshi geholt hatte. Danach beherrschte er den Gegner und brachte ihn in auch einmal in den Kniestand, was er zum Weiterdrehen in einen Haltegriff nutzte. Damit holte er den zweiten Waza-ari und stand im Halbfinale. Erneut wartete dort ein starker Freiburger: Aber auch Arwin Müller hatte gegen Bastian das Nachsehen, der seine stärkste Leistung bei diesem Turnier zeigte. Er attackierte von Beginn an mit Tai-otoshi und setze auch nach, wenn dem Gegner das Ausweichen durch Übersteigen gelang. So kam es, wie es kommen musste: Nach etwa einer Minute erwischte Bastian seinen Gegner voll mit Tai-otoshi, der den Kampf vorzeitig beendete. Sein Gegner im Finale, der clevere Yannis Aberer aus Haltingen, war also gewarnt. Aber auch Bastian hatte Respekt vor dem Haltinger, so dass er nicht ganz so offensiv agierte wie im Halbfinale. Im Stand neutralisierten sich beide, so dass eine unübersichtliche Situation im Boden nach einem Tai-otoshi-Ansatz von Bastian den Ausschlag gab. Der Haltinger konnte Bastian umdrücken und in Haltegriff nehmen. In letzter Sekunde gelang Bastian die Befreiung durch Beinklammer. Aber er lag damit mit Waza-ari zurück und lief diesem Rückstand leider bis zum Kampfende vergeblich hinterher. Rang zwei in diesem stark besetzten Feld war aber aller Ehren wert. Erst seinen zweiten Wettkampf bestritt im mit sechs Teilnehmern bestückten Feld der Schwergewichtler über 50 Kilo Yannick Bauer. Er brachte seine Stärken, einen starken Griff und einen kräftigen Zug, gut zur Geltung. Das reichte aber für seinen ersten, erfahreneren  Gegner Tim Klocker vom JC Marbach noch nicht, so dass er mit zwei Mal Waza-ari gegen sich unterlag. Trainer Hubert Gerspacher vermittelte ihm, dass es am sicheren Stand und vor allem noch daran gefehlt hatte, dass er den tollen Würfen nicht bis in den Boden nachgegangen ist. Was sich Yannick gleich zu Herzen nahm, denn im zweiten Kampf gegen Leo Riedler (TV Neustadt) drehte er den Spieß um: Yannick gelangen zwei schöne Würfe, für die es Waza-ari gab.  Damit stand auch Yannick im Halbfinale, wo sich dann Egor Fessler von BC Offenburg als harter Brocken erwies. Yannick konnte Seoi-otoshi- und Soto-maki-komi-Ansätze seines Gegners leider nicht vermeiden. Mit zweien hatte der Offenburger schließlich Erfolg. In dieser Gruppe wurden die dritten Plätze nicht mehr ausgekämpft, so dass Yannick strahlend Bronze in Empfang nehmen konnte. Auch er zeigte, dass großes Potenzial in ihm steckt.

Kreis EM U12 am 8. Februar in Wutöschingen:

1. Platz: Julian Fister (-31)

2. Plätze: Bastian Ernst (-37), Yannick Bauer (+50)

3. Plätze: Ayleen Beckmann (-36), Janne Korneli (-37)

Südbadische EM U12 am 15. Februar in Freiburg:

2. Platz: Bastian Ernst (-31)

3. Platz: Yannick Bauer (+55)

5. Plätze: Julian Fister (-31), Ayleen Beckmann (-36