Kodokan Goshin jutsu

(Kodokan Selbstverteidigungstechniken)

Bei der Ausgestaltung dieser Kata stand die Erkenntnis im Vordergrund, dass es praktisch unmöglich ist, sich gegen einen Angreifer wirksam zu schützen, wenn der Verteidiger nicht selbst bestimmte, grundlegende Verhaltensweisen beherrscht und besondere Reflexe entwickelt hat. Auch mit einem vollkommenen Wissen über die verschiedenen Verteidigungsbewegungen gegen die unterschiedlichen Angriffe ist es sonst unmöglich, sich wirksam zu verteidigen. Denn zum einen weiß der Angreifer stets im Voraus, welchen Angriff er anwenden wird. Zum anderen hat er die entsprechenden Fertigkeiten für seine Lieblingstechnik ebenso automatisiert, wie der Judoka seine bevorzugte Technik (Tokui waza). Der Verteidiger sieht sich somit zwangsläufig einer übergroßen Zahl möglicher Angriffe gegenüber, aufgrund derer er Gefahr läuft, seine Konzentration zu verlieren und das große Wagnis falscher Abwehrreaktionen einzugehen.

Bei all seinen Abwehrhandlungen achtet Tori immer darauf:

1. selbst eine stabile Stellung zu bewahren (Prinzip des Shizen tai oder der natürlichen Stellung)

2. auf eine geschmeidige Art und Weise auszuweichen oder zu verteidigen, ohne jemals auf die Angriffe mit Kraft gegen Kraft zu antworten (Prinzip des Yawara, d. h. Ju oder der Geschmeidigkeit)
 
3. das gegnerische Gleichgewicht zu zerstören, zumindest aber die gegnerische Stellung zu schwächen (Prinzip des Kuzushi, Gleichgewicht zusammenbrechen lassen)

Im Randori fängt der Judoka grundsätzlich mit dem Griffkampf (Kumi kata, Form des Greifens) an und stellt damit Kontakt zum Partner her, im Allgemeinen mit Griff am Ärmel und Kragen, um eine Technik anzuwenden, nachdem er den Verlust des gegnerischen Gleichgewichts herbeigeführt hat.

In der Selbstverteidigung ist dagegen die Kenntnis des Abstands, wie zwei Personen sich einander nähern und aus welcher Richtung, wie sie zufassen, wie sie mit der Faust schlagen und dem Fuß treten usw. in bestimmten Fällen wichtiger, als die Techniken der Selbstverteidigung selbst. Deshalb steht in der Kodokan goshin jutsu die Position im Vordergrund, die Rikaku (entfernt) genannt wird.

Für Tori ist es stets wichtig, eine Stellung einzunehmen, die verhindert, dass er besiegt wird. Sie muss ihn zugleich befähigen, in jedem Augenblick zweckmäßig zu handeln und eine in den Händen und Füßen konzentrierte Kraft zu nutzen. Dabei ist es das Wichtigste für ihn, sich vollständig aufrecht zu halten und den Gegner gut zu beobachten. Deshalb steht er stets vollkommen gerade, fest und zugleich geschmeidig in einem dynamischen Gleichgewicht, so dass er jederzeit entsprechend den Erfordernissen agieren oder reagieren und sich auf die folgenden Angriffe vorbereiten kann. Dabei hält er den Nacken gerade und sieht Uke unmittelbar ins Gesicht. Seine Augen müssen alle Bewegungen Ukes erfassen.

(Quelle: DJB Dan PO Begleitskript)

Verteidigung gegen Angriffe im Nahkampf
ryōte dori (Greifen mit beiden Händen)
hidari eri dori (Ergreifen des linken Revers)
migi eri dori (Ergreifen des rechten Revers)
kata ude dori (Ergreifen eines Armes)
ushiro eri dori (Griff von hinten in den Kragen)
ushiro jime (Würgen von hinten)
kakae dori (Umklammerung von hinten)
Verteidigung gegen Angriffe ohne engen Körperkontakt
naname uchi (Seitlicher Fausthieb)
ago tsuki (Faustschlag gegen Kinn)
gammen tsuki (Faustschlag in das Gesicht)
mae geri (Tritt von vorn in den Unterleib)
yoko geri (Seitlicher Fußtritt)
Verteidigung gegen Angriffe mit dem Messer
tsukkake (Abwehr gegen Messerziehen)
choke tsuki (Gerader Messerstich in den Bauch)
naname tsuki (Seitlicher Messerstich in den Hals)
Verteidigung gegen Angriffe mit dem Stock
furi age (Schlag mit erhobenem Stock)
furi oroshi (Beidhändiger Schlag mit erhobenem Stock seitlich zur Schläfe)
morote tsuki (Stoß mit dem Stock in die Magengegend)
Verteidigung gegen Angriffe mit der Pistole
shomen zuke (Bedrohung von vorn)
koshi ga mae (Bedrohung aus der Hüfte)
haimen zuke (Bedrohung von hinten)